Glossar
Aktive Beteiligung
In einer gesundheitsfördernden Schule wird die aktive Beteiligung der Schüler und Schülerinnen von den Lehrern und Lehrerinnen aktiv unterstützt. Der Einsatz von partizipativen Unterrichtsmethoden wie z.B. Offenes Lernen Projektunterricht, eigenverantwortliches Arbeiten (EVA) wird gefördert.
Empowerment:
In der Gesundheitsförderung bezeichnet man mit Empowerment einen Prozess, durch den Menschen eine größere Kontrolle über die Entscheidungen und Handlungen gewinnen, die ihre Gesundheit beeinflussen.
Empowerment ist die Grundhaltung professioneller Arbeit in der Gesundheits-förderung: Der Mensch soll befähigt werden, seiner Gesundheit selbst Sorge zu tragen und sie zu stärken. Von oben herab lässt sich das allerdings nicht verordnen. Betroffene in Zielgruppen müssen zu aktiv Handelnden werden, besagt das Empowerment. Nur so kann eine nachhaltig-positive Wirkung auf Lebensqualität, Selbstbewusstsein, Handlungsfähigkeit und Krankheitsbewältigung erzielt werden.
Nutbeam D. 1998. Glossar Gesundheitsförderung. Hamburg: Verlag für Gesundheitsförderung.
Evaluation
Evaluation bedeutet die kritische, analytische Interpretation gewonnener Informationen, das Ziehen von Schlussfolgerungen daraus und, letztlich, die Beurteilung und/oder Bewertung eines Projekts oder einer Sachlage mit dem Ziel diese zu verbessern.
Bundesamt für Gesundheit (BAG). 1997. Leitfaden für die Planung von Projekt- und Programmevaluation. Bern
Feste
In einer gesundheitsfördernden Schule wird die Gemeinschaft der Schule beispielsweise durch gemeinsam von allen - SchülerInnen, LehrerInnen, Eltern, nicht unterrichtendes Personal - organisierte Schulfeste unterstützt. Schulfeste etablieren Schulkultur und verstärken die Identität mit der Schule, das sind gute Voraussetzungen für ein gesundheitsförderndes Wohlfühlen in der Schule.
Gesundheit
Gesundheit ist eine Ressource für das tägliche Leben. Sie ist ein positives Konzept, welches soziale und persönliche Ressourcen gleichermaßen betont. Ein guter Gesundheitszustand ist eine wesentliche Bedingung für soziale, ökonomische und persönliche Entwicklung und ein entscheidender Bestandteil der Lebensqualität.
Weltgesundheitsorganisation (WHO). 1986. Ottawa Charta for Health Promotion.
Gesundheitsförderung (Health Promotion)
Politische, ökonomische, soziale, kulturelle, biologische sowie Umwelt- und Verhaltensfaktoren können der Gesundheit zuträglich sein oder sie auch schädigen. Gesundheitsförderndes Handeln zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen. Einzelne, aber auch Gruppen sollen ihre Bedürfnisse befriedigen dürfen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen sowie ihre Umwelt meistern beziehungsweise verändern können.
Gesundheitsförderung beinhaltet:
- Die Entwicklung einer gesundheitsfördernden
Gesamtpolitik - Die Schaffung gesunder Lebenswelten
- Die Unterstützung gesundheitsbezogener
Gemeinschaftsaktionen - Die Entwicklung persönlicher Kompetenzen
- Die Neuorientierung der Gesundheitsdienste
Weltgesundheitsorganisation (WHO). 1986. Ottawa Charta for Health Promotion.
Gesundheitspolitik
Eine formale Erklärung oder ein formales Verfahren innerhalb von Institutionen (meist der Regierung), welches Prioritäten und Aktionsparameter als Antwort auf gesundheitliche Bedürfnisse, zur Verfügung stehende Mittel und andere politische Umstände definiert.
Nutbeam D. 1998. Glossar Gesundheitsförderung. Gamberg: Verlag für Gesundheitsförderung.
Gesundheitsverhalten
Jede Aktivität eines Individuums, die zur Förderung, zum Schutz oder zur Erhaltung von Gesundheit unternommen wird. Gesundheitsverhalten und Risikoverhalten sind oftmals in komplexen Verhaltensmustern zusammengeführt, welche als Lebensstil bezeichnet werden.
Nutbeam D. 1998. Glossar Gesundheitsförderung. Gamberg: Verlag für Gesundheitsförderung.
Lebensqualität
Lebensqualität definiert sich als Wahrnehmungen der eigenen Position im Leben von Individuen. Das Konzept der Lebensqualität schließt dabei körperliche Gesund-heit, psychologischen Status, Grad an Selbständigkeit, soziale Beziehungen, persönliche Ansichten und die Beziehung zur Umwelt mit ein. Die Bereiche von Gesundheit und Lebensqualität ergänzen und überschneiden sich.
Nutbeam D. 1998. Glossar Gesundheitsförderung. Gamberg: Verlag für Gesundheitsförderung.
Lebensstil
Unter Lebensstil versteht man eine Lebensweise, die auf identifizierbaren Verhaltensmustern beruht, die ihrerseits durch das Wechselspiel von Persönlichkeitsmerkmalen des Einzelnen, sozialen Beziehungen und sozio-ökonomischen sowie ökologischen Lebensbedingungen bestimmt ist.
Nutbeam D. 1998. Glossar Gesundheitsförderung. Gamberg: Verlag für Gesundheitsförderung.
Organisation/ gesundheitsfördernde Organisation
Ottawa-Charta
Die erste internationale Konferenz zur Gesundheitsförderung hat am 21. November 1986 in Ottawa eine Charta verabschiedet. Die Charta ruft dazu auf, Strategien und Programme zur Gesundheitsförderung zu realisieren. Die Teilnehmer der Konferenz haben sich unter anderem dazu verpflichtet, an einer gesundheitsförderlichen Gesamtpolitik mitzuwirken, gesundheitliche Unterschiede innerhalb der Gesellschaften abzubauen, und die Gesundheitsdienste und ihre Mittel in Richtung Gesundheitsförderung umzuorientieren.
Weltgesundheitsorganisation (WHO). 1986. Ottawa Charta for Health Promotion.
Pathogenese
Der Prävention liegt die Sichtweise der Pathogenese zugrunde. Diese fragt: "Was löst eine Krankheit aus?", "Wer ist potenzieller Risiko- oder Symptomträger?" und "Wie können potenziell krankmachende Belastungen vermieden oder möglichst unbeschadet überstanden werden?"
Gutzwiller F; Jeanneret O (Hg.). 1996. Sozial- und Präventivmedizin; Public Health. Bern: Huber.
Verwandte Begriffe:
Prävention
(Krankheits)prävention umfasst nicht nur Massnahmen, die dem Aufkommen von Krankheiten vorbeugen, wie zum Beispiel die Verringerung von Risikofaktoren, sondern auch solche, die das Fortschreiten von Krankheiten eindämmen und Krankheitsfolgen minimieren.
Primäre Prävention ist auf die Vorbeugung des ersten Auftretens einer Störung ausgerichtet. Sekundäre Prävention zielt darauf ab, eine vorhandene Krankheit und ihre Folgen durch Früherkennung zum Stillstand zu bringen oder zu verzögern. Tertiäre Prävention reduziert das Auftreten von Rückfällen und die Ausbildung chronischer Zustände zum Beispiel durch wirksame Rehabilitation.
Verwandte Begriffe:
Projekt
Ein Projekt ist eine umschriebene Massnahme mit definierten Zielen und einer bestimmten, begrenzten Dauer. Oft testet ein Projekt einen innovativen Ansatz, der im Rahmen eines umfassenden Programms oder einer Strategie eingesetzt werden soll.
Bundesamt für Gesundheit (BAG). 1997. Leitfaden für die Planung von Projekt- und Programmevaluation. Bern.
Public Health
Die Aufgabe von Public Health besteht darin, sich für die Schaffung von gesellschaftlichen Bedingungen, Umweltbedingungen und Bedingungen der gesundheitlichen Versorgung einzusetzen, unter welchen die Bevölkerung gesund leben kann.
Gutzwiller F; Jeanneret O (Hg.). 1996. Sozial- und Präventivmedizin; Public Health. Bern: Huber.
Risikofaktor
Ein sozialer, ökonomischer oder biologischer Status, Verhaltensweisen oder Lebensbedingungen, die mit einer erhöhten Anfälligkeit für eine spezifische Krankheit, einen schlechteren Gesundheitszustand oder eine Verletzungsgefahr verbunden sind oder diese verursachen.
Nutbeam D. 1998. Glossar Gesundheitsförderung. Gamberg: Verlag für Gesundheitsförderung.
Risikoverhalten
Spezifische Formen von Verhalten, die erwiesenermaßen mit einer erhöhten Anfälligkeit für spezifische Krankheit oder einen schlechteren Gesundheitszustand verbunden sind.
Nutbeam D. 1998. Glossar Gesundheitsförderung. Gamberg: Velag für Gesundheitsförderung.
Verwandte Begriffe:
Salutogenese:
Im Modell der Salutogenese wird die Klassifikation krank/gesund abgelöst durch ein Gesundheits-Krankheits-Kontinuum, auf dem Menschen lokalisiert werden können. Die Frage "Was löst eine Krankheit aus?" wird anders gestellt: "Welche Faktoren sind daran beteiligt, dass man seine Position auf dem Kontinuum zumindest beibehalten oder aber auf den gesunden Pol hin bewegen kann?" (Vergleiche Pathogenese).
Antonovsky A. 1997. Salutogenese; Zur Entmystifizierung der Gesundheit. Tübingen: Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT).
Verwandte Begriffe:
Selbsthilfe
In der Gesundheitsförderung versteht man unter Selbsthilfe Handlungen von Laien (also Nichtfachleuten im Gesundheitsbereich), die Ressourcen freisetzen, die nötig sind, um die Gesundheit von Individuen oder Gemeinschaften zu fördern, zu erhalten oder wiederherzustellen.
Nutbeam D. 1998. Glossar Gesundheitsförderung. Gamburg: Verlag für Gesundheitsförderung.
Verwandte Begriffe:
Setting
Ein Setting für Gesundheit ist ein Ort oder sozialer Kontext, in dem Menschen ihren Alltagsaktivitäten nachgehen, im Verlauf derer umweltbezogene, organisatorische und persönliche Faktoren zusammenwirken und Gesundheit und Wohlbefinden beeinflussen.
Beispiele für Settings sind:
Kindergarten, Schule, Arbeitsplatz, Freizeit, Gemeinde, Verein, Heim, Krankenhaus
Nutbeam D. 1998. Glossar Gesundheitsförderung. Gamberg: Verlag für Gesundheitsförderung.
Teambildung
Twinning
„Twinning“ bedeutet, dass zwei oder mehr Partner eine strategische Partnerschaft eingehen, weil sie gemeinsam bestimmte Ziele besser erreichen können als alleine. So wird „Twinning“ im Schulbereich zum Beispiel eingesetzt, um die Erreichung bestimmter Lehrziele zu unterstützen: Viele Schulen haben Partnerschulen in anderen Staaten, wo andere Sprachen gesprochen werden und andere kulturelle Hintergründe gegeben sind. „Twinning“-Kooperationen etwa in Form von Brieffreundschaften zwischen SchülerInnen oder in Form von Austauschbesuchen können hier den Zweck haben, den Fremdsprachenunterricht zu unterstützen, einen Beitrag zum Geographie-, Geschichts- oder Sachunterricht zu leisten oder den SchülerInnen den zielgerichteten Umgang mit modernen Medien (Internetrecherchen, Benutzung von E-mail, ...) zu vermitteln. Beispiele für diesen Typ von „Twinning“ sind das Sokrates- und das Comenius-Programm für Schulen, die im Rahmen der Europäischen Union angeboten werden. Wie wir aus der Vergangenheit wissen, funktioniert Gesundheitsförderung am besten durch gegenseitige Unterstützung in einem Netzwerk – in einer so großen Gruppe wie dem Wiener Netzwerk Gesundheitsfördernder Schulen ist es aber nicht selbstverständlich, dass sich Unterstützung und Zusammenarbeit von selbst entwickeln. „Twinning“ bietet sich in dieser Situation an,um * die Zusammenarbeit und Vernetzung der Schulen untereinander zu unterstützen und zu verstärken; * die Vermittlung von Wissen und Erfahrungen der „alten“ auf die „neuen“ Schulen zu unterstützen; * die Entwicklung von neuen Projekten an den Schulen zu unterstützen; * die Sichtbarkeit des Netzwerks zu erhöhen und dadurch den Stellenwert von Gesundheitsförderung innerhalb der einzelnen Schulen zu stärken.
Dietscher C., Dür W. (2001), Twinning – Gemeinsam auf dem Weg zur Gesundheitsfördernden Schule. Österreichische Gesellschaft für Medizin- und Gesundheitssoziologe (ÖGMGS) im Auftrag der Magistratsabteilung L der Stadt Wien, Dezernat Gesundheitsplanung, Wien.





